Kurz gesagt
- Etwa 50 bis 100 ausgefallene Haare am Tag gelten laut NHS und American Academy of Dermatology als normal.
- Eine Studie mit 823 gesunden Frauen fand den höchsten Anteil an Haaren in der Ruhephase im Sommer, eine kleinere Spitze im Frühjahr und den niedrigsten Anteil im späten Winter.
- Haare in der Ruhephase lösen sich erst nach einiger Zeit. Deshalb fällt vermehrter Haarverlust oft erst im Spätsommer und Herbst auf.
- Saisonaler Haarverlust ist vorübergehend und betrifft den ganzen Kopf; kahle Stellen, sichtbar lichteres Haar oder monatelang anhaltender Ausfall gehören ärztlich abgeklärt.
- Der Übergang vom Sommer zum Herbst ist ein guter Zeitpunkt, den Zustand der Kopfhaut in Ruhe anzusehen.
Warum fallen im Herbst mehr Haare aus?
Menschliche Haare wachsen und ruhen in einem jahreszeitlichen Rhythmus: Im Sommer befinden sich mehr Haare in der Ruhephase, und diese fallen zeitversetzt aus, häufig im Spätsommer und Herbst. Für sich genommen ist das ein natürlicher Vorgang und kein Hinweis auf eine Erkrankung.
Belegt ist dieser Rhythmus unter anderem durch eine Untersuchung, die 2009 in der Fachzeitschrift Dermatology erschienen ist. Die Forschenden werteten rückblickend über sechs Jahre die Daten von 823 gesunden Frauen aus, die über Haarverlust klagten. Mithilfe von Trichogrammen, bei denen unter dem Mikroskop bestimmt wird, wie viele Haare sich in welcher Phase befinden, zeigte sich ein jährlicher Rhythmus:
- Der Anteil der Haare in der Ruhephase war im Sommer am höchsten.
- Eine zweite, schwächer ausgeprägte Spitze zeigte sich im Frühjahr.
- Am niedrigsten war der Anteil im späten Winter.
Die Ergebnisse bestätigen frühere Beobachtungen zu jahreszeitlichen Schwankungen beim menschlichen Haarwachstum. Einschränkend gilt: Untersucht wurden nur Frauen, die wegen Haarverlusts Rat suchten, und warum Haare diesem Rhythmus folgen, erklärt die Studie nicht abschließend. Die Beobachtung vieler Menschen, im Herbst mehr Haare in der Bürste zu finden, passt aber gut zu diesem Muster.
Was hat der Haarzyklus mit Haarausfall im Herbst zu tun?
Der Haarzyklus erklärt, warum sich eine erhöhte Zahl ruhender Haare im Sommer erst später bemerkbar macht. Ein Haar fällt nicht in dem Moment aus, in dem es aufhört zu wachsen, sondern erst am Ende seiner Ruhephase.
Jedes Kopfhaar durchläuft immer wieder dieselben Abschnitte, zeitlich unabhängig von seinen Nachbarn:
- Wachstum: Das Haar wird gebildet und wächst über Jahre. Laut Universitätsklinikum Tübingen wachsen Haare bei jungen Menschen sechs bis acht Jahre.
- Übergang: Das Wachstum endet, die Haarwurzel bildet sich zurück. Dieser Abschnitt ist kurz.
- Ruhe: Das Haar sitzt noch in der Kopfhaut, wächst aber nicht mehr. Nach einiger Zeit fällt es aus und wird durch ein neues Haar ersetzt.
Das Universitätsklinikum Tübingen beschreibt das tägliche Ausfallen von Haaren deshalb als Zeichen der Regeneration. Wechseln im Sommer mehr Haare als sonst in die Ruhephase, sehen Sie das Ergebnis einige Zeit später in Bürste und Dusche. Ähnlich zeitversetzt zeigt sich laut American Academy of Dermatology vermehrter Haarverlust nach Fieber, Operationen oder einer Geburt, siehe Haarausfall nach der Schwangerschaft.

Wie viel Haarverlust ist im Herbst normal und wie lange?
Als Richtwert gelten etwa 50 bis 100 ausgefallene Haare pro Tag, im Herbst können es vorübergehend mehr sein. Eine feste Dauer für den saisonalen Haarverlust lässt sich aus den Studien nicht ableiten; entscheidend ist, dass er wieder nachlässt und die Haardichte insgesamt erhalten bleibt.
Laut NHS verlieren wir diese Menge oft, ohne es zu bemerken. Das Universitätsklinikum Tübingen spricht erst dann von Haarausfall, wenn deutlich mehr als 100 Haare täglich ausfallen. Zählen ist im Alltag aber kaum zuverlässig, denn lange Haare wirken im Abfluss schnell nach mehr. Hilfreicher ist ein Blick auf die Entwicklung über einige Wochen:
- Lässt der vermehrte Haarverlust nach einiger Zeit spürbar nach?
- Bleiben Scheitel, Zopfdicke und Haaransatz im Spiegel unverändert?
- Fühlt sich die Kopfhaut unauffällig an, ohne Rötung, Schmerzen oder starken Juckreiz?
Können Sie diese Fragen mit Ja beantworten, spricht das eher für einen vorübergehenden, saisonalen Haarverlust. Eine ärztliche Einschätzung ersetzt diese Selbstbeobachtung aber nicht. Hält der vermehrte Haarverlust länger als etwa drei Monate an oder wird das Haar sichtbar lichter, lassen Sie ihn bitte ärztlich abklären.
Woran unterscheiden Sie saisonalen Haarverlust von krankhaftem Haarausfall?
Saisonaler Haarverlust ist vorübergehend, betrifft den ganzen Kopf gleichmäßig und hinterlässt keine sichtbar lichteren Stellen. Bei krankhaftem Haarausfall nimmt die Haardichte über längere Zeit ab, es entstehen typische Muster oder kahle Stellen, oder es kommen Beschwerden hinzu.
Die American Academy of Dermatology unterscheidet zwischen vermehrtem Ausfallen, das in der Regel von selbst aufhört, wenn sich der Körper wieder eingependelt hat, und Haarausfall, bei dem etwas das Nachwachsen verhindert. Im zweiten Fall muss die Ursache gefunden werden.
| Merkmal | Eher saisonal | Eher abklärungsbedürftig |
|---|---|---|
| Verlauf | Vorübergehend, lässt wieder nach | Hält über Monate an oder nimmt zu |
| Verteilung | Gleichmäßig über den ganzen Kopf | Betont an Scheitel, Stirn oder Schläfen oder in umschriebenen Stellen |
| Haardichte | Im Spiegel insgesamt unverändert | Scheitel breiter, Kopfhaut schimmert durch, Zopf dünner |
| Kopfhaut | Unauffällig | Gerötet, schuppig, entzündet, schmerzhaft oder stark juckend |
| Begleitumstände | Keine weiteren Beschwerden | Müdigkeit, Gewichtsveränderung, kürzliche Erkrankung, Diät oder neue Medikamente |
Der NHS unterscheidet außerdem zwischen dauerhaften Formen wie dem anlagebedingten Haarausfall, der oft in der Familie liegt, und vorübergehenden Formen, etwa nach einer Krankheit, bei Stress, Gewichtsverlust oder Eisenmangel. Einen ausführlichen Überblick über mögliche Ursachen gibt der Ratgeber dünner werdendes Haar.
Wie pflegen Sie Kopfhaut und Haare im Übergang vom Sommer zum Herbst?
Im Übergang zum Herbst tut Ihrer Kopfhaut vor allem eine schonende, regelmäßige Reinigung gut, und Ihre Längen profitieren von Pflege und weniger Hitze. Den saisonalen Haarverlust selbst verhindern Sie damit nicht, aber Sie schaffen gute Voraussetzungen für eine ausgeglichene Kopfhaut.
- Rückstände des Sommers lösen: Schweiß, Sonnenschutz und Stylingprodukte können sich auf der Kopfhaut sammeln. Waschen Sie lauwarm, massieren Sie das Shampoo mit den Fingerkuppen ein und spülen Sie gründlich aus. Wie oft das sinnvoll ist, lesen Sie im Ratgeber wie oft Sie Ihre Haare waschen sollten.
- Strapazierte Längen pflegen: Sonne, Salz- und Chlorwasser können die Längen austrocknen. Eine Spülung in Längen und Spitzen und ein Spitzenschnitt können helfen.
- Kopfhaut beobachten: Nach einem Sonnenbrand auf der Kopfhaut kann sie schuppen und empfindlich sein. Klingen Rötung oder Schuppung nicht ab, lassen Sie das dermatologisch ansehen.
- Hitze dosieren: Wenn es kühler wird, föhnen viele wieder häufiger. Nutzen Sie eine niedrige Stufe mit Abstand.
- An Mützen und Heizungsluft denken: Enge Mützen können an Haaransatz und Kopfhaut reiben, Heizungsluft empfinden viele als trocken. Gut sitzende, regelmäßig gewaschene Mützen und Lüften tun gut.
- Sanfte Massage einbauen: Eine behutsame Massage beim Waschen kann sich angenehm anfühlen, siehe Ratgeber Kopfhautmassage.
- Nahrungsergänzung nur nach Abklärung: Präparate sind nur sinnvoll, wenn ärztlich ein Mangel festgestellt wurde.
Gut zu wissen: Im Herbst werden viele Mittel speziell für saisonalen Haarverlust beworben. Vermehrtes Ausfallen hört laut American Academy of Dermatology aber in der Regel von selbst auf, wenn sich der Körper wieder eingependelt hat. Eine gleichmäßige, milde Pflege ist deshalb meist sinnvoller als häufige Produktwechsel.
Wann sollten Sie Haarausfall im Herbst ärztlich abklären lassen?
Ärztlich abklären lassen sollten Sie den Haarverlust, wenn er länger als etwa drei Monate anhält, das Haar sichtbar lichter wird oder Warnzeichen hinzukommen. Der NHS rät grundsätzlich, ärztlichen Rat einzuholen, wenn Sie sich wegen Ihres Haarausfalls Sorgen machen.
- Es entstehen kreisrunde oder scharf begrenzte kahle Stellen.
- Die Haare fallen plötzlich büschelweise aus.
- Die Kopfhaut ist gerötet, schuppt stark, nässt, schmerzt oder juckt anhaltend.
- Auch Augenbrauen, Wimpern oder Körperhaare sind betroffen.
- Sie haben weitere Beschwerden wie ausgeprägte Müdigkeit oder deutliche Gewichtsveränderungen.
- Der Haarverlust begann nach einer Erkrankung, einer Diät oder mit neuen Medikamenten.
Ärztlich abklären lassen: Erste Anlaufstellen sind die hausärztliche oder die dermatologische Praxis. Dort kann geklärt werden, ob etwa ein Eisenmangel oder eine andere behandlungsbedürftige Ursache dahintersteckt. Bei plötzlich starkem oder kreisrundem Haarausfall, Entzündungen, offenen Stellen, Pilzverdacht oder dem Verdacht auf eine Hauterkrankung führe ich keine Kopfhautbehandlung durch, sondern empfehle zuerst die ärztliche Abklärung. Medikamente setzen Sie bitte nie eigenständig ab.
Warum lohnt sich nach dem Sommer eine Bestandsaufnahme der Kopfhaut?
Nach Monaten mit Sonne, Schweiß, Salz- und Chlorwasser ist der Herbst ein guter Anlass, den Zustand Ihrer Kopfhaut in Ruhe anzusehen. Eine Bestandsaufnahme zeigt, ob die Kopfhaut ausgeglichen wirkt oder gezielte Pflege braucht, und liefert einen Vergleichspunkt, falls Sie Ihr Haar in den kommenden Monaten beobachten möchten.
In der Kopfhautanalyse in Allersberg sprechen wir zunächst über Ihre Vorgeschichte, Ihre Pflege und Ihre Beobachtungen der letzten Wochen. Anschließend betrachte ich Kopfhaut und Haare mit der Mikrokamera, unter anderem an Stirn, Schläfen, Scheitel und Hinterkopf. Sie erhalten eine Empfehlung für die nächsten Schritte, einschließlich des Hinweises, wenn eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Die Erstberatung mit Diagnostik kostet 50 €.
Zeigen sich Talg, Schüppchen oder Produktrückstände und liegen keine Ausschlusskriterien vor, kann eine intensive Kopfhaut-Grundreinigung die Kopfhaut behutsam davon befreien und beruhigen (ca. 2 Stunden, 175 €). Sie ist kosmetisch, kann saisonalen Haarverlust nicht verhindern und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapie.
Der Trichologie-Salon SCALPERIA liegt in Allersberg im Landkreis Roth, südlich von Nürnberg, und ist aus Roth, Hilpoltstein, Schwabach und Neumarkt gut erreichbar. Termine vergebe ich nach Vereinbarung, telefonisch unter 0151 466 49567 oder per E-Mail an info@scalperia.de.
Ihre Kopfhaut genauer ansehen lassen
In der Erstberatung mit Mikrokamera-Diagnostik in Allersberg schauen wir gemeinsam, was Ihre Kopfhaut braucht.
Häufige Fragen
Warum verliere ich im Herbst mehr Haare?
Haare folgen einem jahreszeitlichen Rhythmus. In einer Studie mit 823 Frauen befanden sich im Sommer anteilig die meisten Haare in der Ruhephase. Da Haare erst am Ende dieser Phase ausfallen, zeigt sich der Haarverlust zeitversetzt, oft im Spätsommer und Herbst.
Wie lange dauert Haarausfall im Herbst?
Eine feste Dauer lässt sich aus Studien nicht ableiten. Saisonaler Haarverlust ist vorübergehend und lässt wieder nach, ohne dass das Haar sichtbar lichter wird. Hält er länger als etwa drei Monate an, sollten Sie ihn ärztlich abklären lassen.
Wie viele ausgefallene Haare sind im Herbst noch normal?
Als Richtwert gelten etwa 50 bis 100 Haare pro Tag, im Herbst können es vorübergehend mehr sein. Wichtiger als das Zählen ist, ob der Haarverlust wieder nachlässt und die Haardichte erhalten bleibt.
Gibt es auch im Frühjahr mehr Haarausfall?
In der Studie zur Saisonalität zeigte sich neben dem Höchstwert im Sommer eine zweite, schwächere Spitze ruhender Haare im Frühjahr. Am niedrigsten war der Anteil im späten Winter.
Was kann ich bei saisonalem Haarverlust für meine Kopfhaut tun?
Waschen Sie mild und lauwarm, entfernen Sie Rückstände des Sommers gründlich, dosieren Sie Hitze und verzichten Sie auf straffe Frisuren. Eine Kopfhautanalyse kann nach dem Sommer zeigen, in welchem Zustand Ihre Kopfhaut gerade ist.
Quellen
- Seasonality of Hair Shedding in Healthy Women Complaining of Hair Loss (Dermatology, 2009), Kunz M, Seifert B, Trüeb RM; Karger
- Do you have hair loss or hair shedding?, American Academy of Dermatology
- Hair loss, NHS
- Haarausfall – was ist noch normal?, Universitätsklinikum Tübingen
Stand: 17. September 2026. Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.